9 Kommentare zu “Voodle – Eure Meinung zu ‘speziellen’ Stücken”
Marthy Fandel
9. Februar 2021
Hallo ihr Stimmen,
obwohl ich mich bzw. meine Sichtweise nicht ganz in den genannten Sätzen wieder finde, habe ich den “nicht aktzeptablen” angekreuzt. Natürlich sind immer einige Stücke “speziell”, aber nicht alle “speziellen” Stücke sind von alltagsrassistischen Merkmalen geprägt. Und um das, bzw. um unbedachten, “nicht so gemeinten” Alltagsrassismus geht es mir mit meinem Anliegen, welches ich an den Vorstand formuliert habe (@ Vorstand: danke für das Annehmen meines Anliegens) : Sorry, dass ich meine Bedenken erst nach so langer Zeit formuliert habe:
Aus meiner Sicht ist es heutzutage, in einer Gesellschaft, die Rassismus offenkundig immer noch nicht überwunden hat, nicht mehr angemessen, dieses Stück zu singen, auch wenn es “schönes” deutsches Kulturgut ist und schön klingt etc …es bedient sich ja nicht nur der Bezeichnung “Zigeuner”, (welches den Menschen in den Kzs eintätowiert wurde), sondern zahlreicher als rassistisch zu bezeichnender Klischees und Stereotypen. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich mich extrem unwohl fühle beim Singen dieser Worte und Sätze, die sich fernab jeglicher Realität von Sinti und Roma bewegen. Und: Ist das wirklich romantisch?
Ich finde, dass auch “kleine”, “unbedachte” und “eigentlich nicht so gemeinte” Äußerungen bzw. Vortragen von Klischees über das Leben bestimmter Volksgruppen und/oder Minderheiten eher dazu beiträgt, diese unbewussten “kleinen” Klischees in den Köpfen zu festigen, als einen eigenen kleinen Teil dazu beizutragen, es eben nicht zu tun. Natürlich kann man es nicht jedem Recht machen, Geschmäcker sind verschieden, aber ich finde hier geht es eben um: Alltagsrassismus.
Interessant finde ich hierzu eine Veranstaltung (von 1993 !) des Ernst-Bloch-Chores (welcher sich als politischer Chor versteht) mit dem Titel “Eigen-tümlich fremd, Rassismus in Deutschland, zum Thema “Unser rassistischer Alltag”, in welcher u.a. auch das Stück “Zigeunerleben” als Beispiel genommen wird.
Und: Ich freue mich, dass wir als Voices Unlimited nun einen Diskurs darüber führen.
@ Uta: du weißt, dass das kein persönlicher Affront gegen deinen Vorschlag ist
@ Martina: gerne können wir als nächstes unser Liedgut nach frauenfeindlichen Texten durchforsten!
Herzliche Grüße
Marthy
Liebe Marthy,
mutig, sehr mutig, sich so offen und ehrlich zu äußern!
Ich finde es wichtig, dass wir als (hoffentlich immer noch) enge und mithilfe der Musik auch emotionale Gemeinschaft uns ehrlich und ohne Aggressionen offen unsere Meinung sagen können und dann zu einem gemeinsam getragenen Konsens kommen.
Und da beginnen meine (zunächst neutralen) Fragezeichen.
Ja, man kann und darf unterschiedlicher Meinung sein, stellt dann aber – normalerweise – seine Meinung im demokratischen Umfeld einer Mehrheitsmeinung hintan.
Meine Frage also lautet:
Wie würdest Du oder würden wohl alle, die Deine Meinung teilen, mit einer sich abzeichnenden Mehrheitsmeinung umgehen, die versteht, was beanstandet wird aber zu anderen Schlussfolgerungen kommt, nämlich der, derartige Lieder (und ja: man muss die Lieder einzeln anschauen) im Einzelfall dann doch (möglicherweise mit entsprechender Anmoderation) singen zu wollen?
Es wäre schön, wenn wir das zur Befruchtung des gemeinsamen Austausches einschätzen könnten.
Liebe Grüße
Micha
Hi Voices,
m. E. ein komplexes und wichtiges Thema – mit geschickten Anmoderationen, in denen man sich nicht platt dafür “entschuldigt, das Lied “trotzdem” zu singen, kann man sicher Vieles in gutes Fahrwasser bringen und auf das verweisen, was wir bieten wollen: Gute Unterhaltung. Die Empfänglich- und Empfindsamkeit ist auch hier individuell, und wir können es nicht Allen dies- und jenseits der Bühne recht machen. Bei mir zum Beispiel stellen sich u.a. bei “Zum Tanze” die Nackenhaare auf und ich bin da wohl die Einzige. (Die Rest-Prickles erinnern sich an leidvolle Diskussionen mit mir über div. Liedtexte …).
Die von Dir inhaltlich gleichgesetzten Punkte, lieber Michael, könnte man m. E. so beschreiben: Bei der Liedauswahl nach musikalischen Kriterien sollten wir das, was m.E. mit Political Correctness nur unzureichend beschrieben ist, von Anfang an und evtl. konsequenter mit bedenken. Uta hat bei dem Zigeunerlied darauf hingewiesen, aber ob damals (schnüff, so lange her) alles von Allen individuell bedacht wurde? Ich bin in den letzten Monaten auch etwas stärker sensibilisiert worden und gespannt auf unseren Austausch am 24.2.
Liebe Grüße – und bleibt gesund!
Martina
Liebe Martina,
dem kann ich mich nur mit einem kräftigen Kopfnicken anschließen.
Ich meine in der Tat, dass wir a) das bereits zu Beginn klären sollten, b) dabei das Lied selbst mit seiner individuellen Aussage und seinem historischen Kontext in den Mittelpunkt unserer Überlegungen stellen sollten und c) wenn sich die Einschätzung (auch gesellschaftlich) ändern sollte, dem Rechnung tragen und ggf. neu entscheiden. Am Ende sollten wir gemeinsam dazu stehen können. Einzelne auszugrenzen sprengt meiner Meinung nach unseren Zweck!
Im Grunde betrifft es aus meiner Sicht ohnehin nur wenige Stücke (wenn auch leider für meinen Geschmack sehr schöne…).
Liebe Grüße
Micha
@Noname:
Danke für Dein Feedback!
Ich frage mich dennoch, wodurch sich Deine neue Kategorie (Sollte von Stück zu Stück entschieden werden, aber durchaus unter den genannten Aspekten) von der bereits enthaltenen (Finde ich übertrieben, wenn die Stücke selbst bzw. ihr musikalischer Wert keinen Anlass zur Kritik geben) unterscheidet?
Viele Grüße
Micha
Das Stück hatte ich vorgeschlagen und auch gleich genau dieses Problem thematisiert. Ich denke mit einer entsprechenden feinfühligen Ansage (also besser nicht von mir 😉) können wir es singen. Auch die Operette der „Zigeunerbaron“ wird heutzutage noch aufgeführt, aber auch entsprechend begleitet.
Hi Uta,
wir sind uns einig, dass das Thema überraschenderweise erneut auf den Tisch kommt.
Aber dennoch muss es diskutiert werden.
Eine vernünftige Anmoderation halte auch ich für zwingend.
Hallo ihr Stimmen,
obwohl ich mich bzw. meine Sichtweise nicht ganz in den genannten Sätzen wieder finde, habe ich den “nicht aktzeptablen” angekreuzt. Natürlich sind immer einige Stücke “speziell”, aber nicht alle “speziellen” Stücke sind von alltagsrassistischen Merkmalen geprägt. Und um das, bzw. um unbedachten, “nicht so gemeinten” Alltagsrassismus geht es mir mit meinem Anliegen, welches ich an den Vorstand formuliert habe (@ Vorstand: danke für das Annehmen meines Anliegens) : Sorry, dass ich meine Bedenken erst nach so langer Zeit formuliert habe:
Aus meiner Sicht ist es heutzutage, in einer Gesellschaft, die Rassismus offenkundig immer noch nicht überwunden hat, nicht mehr angemessen, dieses Stück zu singen, auch wenn es “schönes” deutsches Kulturgut ist und schön klingt etc …es bedient sich ja nicht nur der Bezeichnung “Zigeuner”, (welches den Menschen in den Kzs eintätowiert wurde), sondern zahlreicher als rassistisch zu bezeichnender Klischees und Stereotypen. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich mich extrem unwohl fühle beim Singen dieser Worte und Sätze, die sich fernab jeglicher Realität von Sinti und Roma bewegen. Und: Ist das wirklich romantisch?
Ich finde, dass auch “kleine”, “unbedachte” und “eigentlich nicht so gemeinte” Äußerungen bzw. Vortragen von Klischees über das Leben bestimmter Volksgruppen und/oder Minderheiten eher dazu beiträgt, diese unbewussten “kleinen” Klischees in den Köpfen zu festigen, als einen eigenen kleinen Teil dazu beizutragen, es eben nicht zu tun. Natürlich kann man es nicht jedem Recht machen, Geschmäcker sind verschieden, aber ich finde hier geht es eben um: Alltagsrassismus.
Interessant finde ich hierzu eine Veranstaltung (von 1993 !) des Ernst-Bloch-Chores (welcher sich als politischer Chor versteht) mit dem Titel “Eigen-tümlich fremd, Rassismus in Deutschland, zum Thema “Unser rassistischer Alltag”, in welcher u.a. auch das Stück “Zigeunerleben” als Beispiel genommen wird.
Und: Ich freue mich, dass wir als Voices Unlimited nun einen Diskurs darüber führen.
@ Uta: du weißt, dass das kein persönlicher Affront gegen deinen Vorschlag ist
@ Martina: gerne können wir als nächstes unser Liedgut nach frauenfeindlichen Texten durchforsten!
Herzliche Grüße
Marthy
Liebe Marthy,
mutig, sehr mutig, sich so offen und ehrlich zu äußern!
Ich finde es wichtig, dass wir als (hoffentlich immer noch) enge und mithilfe der Musik auch emotionale Gemeinschaft uns ehrlich und ohne Aggressionen offen unsere Meinung sagen können und dann zu einem gemeinsam getragenen Konsens kommen.
Und da beginnen meine (zunächst neutralen) Fragezeichen.
Ja, man kann und darf unterschiedlicher Meinung sein, stellt dann aber – normalerweise – seine Meinung im demokratischen Umfeld einer Mehrheitsmeinung hintan.
Meine Frage also lautet:
Wie würdest Du oder würden wohl alle, die Deine Meinung teilen, mit einer sich abzeichnenden Mehrheitsmeinung umgehen, die versteht, was beanstandet wird aber zu anderen Schlussfolgerungen kommt, nämlich der, derartige Lieder (und ja: man muss die Lieder einzeln anschauen) im Einzelfall dann doch (möglicherweise mit entsprechender Anmoderation) singen zu wollen?
Es wäre schön, wenn wir das zur Befruchtung des gemeinsamen Austausches einschätzen könnten.
Liebe Grüße
Micha
Hi Voices,
m. E. ein komplexes und wichtiges Thema – mit geschickten Anmoderationen, in denen man sich nicht platt dafür “entschuldigt, das Lied “trotzdem” zu singen, kann man sicher Vieles in gutes Fahrwasser bringen und auf das verweisen, was wir bieten wollen: Gute Unterhaltung. Die Empfänglich- und Empfindsamkeit ist auch hier individuell, und wir können es nicht Allen dies- und jenseits der Bühne recht machen. Bei mir zum Beispiel stellen sich u.a. bei “Zum Tanze” die Nackenhaare auf und ich bin da wohl die Einzige. (Die Rest-Prickles erinnern sich an leidvolle Diskussionen mit mir über div. Liedtexte …).
Die von Dir inhaltlich gleichgesetzten Punkte, lieber Michael, könnte man m. E. so beschreiben: Bei der Liedauswahl nach musikalischen Kriterien sollten wir das, was m.E. mit Political Correctness nur unzureichend beschrieben ist, von Anfang an und evtl. konsequenter mit bedenken. Uta hat bei dem Zigeunerlied darauf hingewiesen, aber ob damals (schnüff, so lange her) alles von Allen individuell bedacht wurde? Ich bin in den letzten Monaten auch etwas stärker sensibilisiert worden und gespannt auf unseren Austausch am 24.2.
Liebe Grüße – und bleibt gesund!
Martina
Liebe Martina,
dem kann ich mich nur mit einem kräftigen Kopfnicken anschließen.
Ich meine in der Tat, dass wir a) das bereits zu Beginn klären sollten, b) dabei das Lied selbst mit seiner individuellen Aussage und seinem historischen Kontext in den Mittelpunkt unserer Überlegungen stellen sollten und c) wenn sich die Einschätzung (auch gesellschaftlich) ändern sollte, dem Rechnung tragen und ggf. neu entscheiden. Am Ende sollten wir gemeinsam dazu stehen können. Einzelne auszugrenzen sprengt meiner Meinung nach unseren Zweck!
Im Grunde betrifft es aus meiner Sicht ohnehin nur wenige Stücke (wenn auch leider für meinen Geschmack sehr schöne…).
Liebe Grüße
Micha
@Noname:
Danke für Dein Feedback!
Ich frage mich dennoch, wodurch sich Deine neue Kategorie (Sollte von Stück zu Stück entschieden werden, aber durchaus unter den genannten Aspekten) von der bereits enthaltenen (Finde ich übertrieben, wenn die Stücke selbst bzw. ihr musikalischer Wert keinen Anlass zur Kritik geben) unterscheidet?
Viele Grüße
Micha
Das Stück hatte ich vorgeschlagen und auch gleich genau dieses Problem thematisiert. Ich denke mit einer entsprechenden feinfühligen Ansage (also besser nicht von mir 😉) können wir es singen. Auch die Operette der „Zigeunerbaron“ wird heutzutage noch aufgeführt, aber auch entsprechend begleitet.
Hi Uta,
wir sind uns einig, dass das Thema überraschenderweise erneut auf den Tisch kommt.
Aber dennoch muss es diskutiert werden.
Eine vernünftige Anmoderation halte auch ich für zwingend.
Meine Haltung, meine Wertvorstellungen und mein Handeln sind entscheidend.
Hallo Erwin,
danke für Deinen validen Input!
Was wäre daraus die Konsequenz im Bezug auf die Frage: singen oder nicht?
Danke Dir!
Michael